Wettrennen mit einem alten Mann

….weiter geht es.

Heute mussten/wollten wir bis Chomrong, dort so versprach mir Shriman, werden wir ganz nah schon an den Bergen sein. Über Nacht überlegte es sich das Wetter und schlug um zu einem wunderbaren Sonnenschein mit klarer Sicht. Wobei ich nun wiederum schwitzte, was mir auch nicht so gefiel 😉 Frauen 🙂 Eins war uns jedoch klar, was da wäre………alles was die letzten Tage als Regen herunter gekommen ist, wird es da Oben geschneit haben. Was sollte uns noch erwarten?

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Heute liefen wir anfangs mal 2 Stunden immer gerade aus. Was war passiert? Kein Hoch und Runter? Hatte die Regeirung das abgeschafft? Wen würde es wundern, denn die lassen sich doch immer was einfallen.  Unterwegs sahen wir schon von weiten eine Ansammlung von Menschen in einem Dorf. Was war passiert?
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Es sah aus, als als feierten die Dorfbewohner ein Fest. War aber nicht so, jemand war gesorben und alle Menschen, nebst einer Polizei Patrolie, die in der Nähe lebten, kamen um Abschied zu nehmen. Dabei hatten sie eine Art Opfertisch gestellt, in der Mitte ein Stuhl der mit Kleidung des Versorbenen belegt war. Die Familie tanzte um jenen Stuhl herum. In der Mitte war ein Tisch an dem 3 Familienmitglieder sassen und Geldspenden von den Bewohnern annahmen. Dabei wurde alles sehr akripisch in ein Buch notiert, wer was gegeben hatte.

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Irgendwie kamen wir uns etwas fehl am Platze vor, aber wir mussten nun mal da durch. Eine Frau, rannte schnell weg,  als sie uns sah. Urplötzlich kam sie mit 2 Stühlen, zwei Tellern prall gefüllt mit Essen und Tee wieder und bat uns Platz zu nehmen, mit ihnen zu essen und dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Dabei bat sie uns doch auch ernsthaft Fotos zu machen. Irgendwie war mir unbehaglich. Das lief so anders ab als ich es kannte. Shriman aber kennt die Sitten der Gurung, die dort leben und fand nichts dabei. Als wir uns verabschiedeten wollten wir auch etwas der Familie geben, so stellten wir uns mit in die Reihe der Geldgeber und liesen auch unsere Namen in jenes Buch notieren. Dabei sagte ein Sohn des Versorbenen zu mir…….bitte notieren sie hier noch ihr Land. Irgendwie anders, aber auch……ach ich weiss auch nicht.

Wir zogen weiter Richtung Chomrong und tingelten uns wieder mal über eine Hängebrücke um dann schnur stracks wieder ganz weit nach oben zu gehen. Die Sonne brannte erbarmungslos, 10 Kg auf dem Rücken, hochwärts………mir lief das Wasser.

In Jhinu Danda plünderten wir wieder mal die Essensvoräte der Lodge und schielten dabei unentwegt auf den Annapurna Süd und Hinchuli.
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Auf dem Weg zum Mittagessen am Flussufer
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Die Lodgen hier sind wirklich sehr schön und Farbenfroh

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Und die Wasserbüffel hier sind noch etwas verspielt, oder warum sonst trägt Wasserbüffel Plüschtier auf’m Horn?

Nachdem wir uns mit Essen vollgesopft hatten und eigentlich viel zu faul zum weiterlaufen waren, griffen wir doch wieder zu unseren Rucksäcken und gingen weiter. Jetzt ging es wieder hoch, ganz steil mit Hunderten von Naturtreppen. Unterwegs treffen wir einen Mann, schätzungsweise älter als der Yeti, mit Hightech Schlappen und einem großen Korb auf dem Rücken. Innerlich frohlockte ich, den knack ich, dem kann ich stand halten. Zu früh gefreut, dieses kleine superdünne alte Männlein hüpfte doch gnadenlos schnell ständig an uns, oder eher mir der Langsamen, vorbei. Hatten wir ihn einmal übetholt und machten eine Rast freute ich mich………jetzt, jetzt habe ich ihn abgehangen. Ich habe noch nicht einmal zu Ende gedacht da kam er schon um die Ecke. Und während ich noch hechelte ging er schon wieder pfeiffend an mir vorbei. Dabei hatte ich das Gefühl das er mich schelmich angrinste.

So ist es , wir die Hightech ausgerüsteten Touris haben keine Chance gegen mit Badeschlappen tragenden alten Männer. Bäääää

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Dabei hat auch hier im Himalaja Hightech Einzug gehalten denn auch die Bergvölker wollen schliesslich den neusten Bollywood Schinken ansehen.

Etwas neues gibt es aber auch. Ab Jhinu gibt es keine Plaste Flaschen mit Wasser mehr zu kaufen und man ist gut beraten, wenn man eine Trinkflasche mit hat. In jeder Lodge kann man Boiled Water kaufen. Wobei ich bezweifle das es immer abgekocht ist. Mir macht es nichts, ich vertrage nach einigen Monaten Kathmandu alles, meinen Magen kann nichts mehr schocken. Ich fülle auch meine Wasserflasche mit dem Wasser was in den Bächen fliesst. Jedoch prinzipiell ist das eine gute Sache, weniger Plastik in den Bergen zu verwenden.

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Da hinten mussten wir hin. Rechts das ist der Machapuchare, der legendäre Berg in dieser Region.

Am späten Nachmittag, wir hatten doch tatsächlich den Mann abgehangen, oder aber er wollte nicht nach Chomrong, kamen wir in unserem Guesthouse an.

Es war tiefste Nacht, als ich munter wurde. Unser Zimmer hatte einen Blick auf die Berge ringsherum. Ich warf einen Blick aus dem Fenster und war überwältigt wie viele Sterne es eigentlich am Himmel gibt und ganz leicht sieht man den Annapurna Süd und den Machapuchare…..leider war ich zun faul mich aus dem kuschlig warmen Schlafsack zu pellen und raus zu gehen zum fotografieren. So kann ich diesen Eindruck mit Euch nicht teilen.

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 So sah es aber am Morgen aus

Es ging weiter nach Bamboo und wie der Name sagt ist Bamboo von Bambus Bäumen umzingelt. Um aber erst einmal dahin zu kommen geht es, richtig erst ganz weit wieder runter und dann wieder hoch. Alles was wir uns an Höhe am letzten Tag erkämpft hatten, gingen wir jetzt leichten Fusses wieder runter. So ein Blödsinn ;). Dabei traf ich doch…..wen? Richtig der kleine Mann kam um die Ecke. Diesmal, dies schwor ich mir, liess ich mich nicht auf ein Wettrennen mit ihm ein. Ich wollte nicht schon wieder verlieren:)

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Links oben das ist Chomrong. Wir gingen das ganze Tal runter und waren jetzt wieder auf gleicher Höhe nach satten 3 Stunden.

Seit Ihr schon mal Chinesen begegnet, wenn sie Urlaub machen? Seltsame Leute. Die Chinesen haben Nepal entdeckt, wolln wir hoffen nur als Urlaubsland ;). Obwohl? Wenn ich einkaufen gehe in Kathmandu und dabei einen richtig großen Supermarkt nutze, denke ich ich bin in China…….es gibt kaum andere Produkte.

Chinesen jedenfalls schleppen kleine Plüschtiere mit sich herum, die Sache an sich ist nicht weiter tragisch, aber bei allen Fotos die sie machen, sei es auch den randvollen Mittagsteller, setzen sie ihre kleinen Plüschaffen, oder was auch sonst davor und knipsen beides gemeinsam. Was das bedeuten soll konnte ich leider nicht heraus finden 🙂

Trotz der vielen Plüschtiere die wir umgehen mussten kamen wir in Bamboo an und Shriman erfreute mich mit der Nachricht, dass wir ab hier das letzte mal duschen können. Weiter oben ist es zu kalt. Und das sagt er mir als ich mit kurzen Hosen vor ihm stand. Kalt…pfffff ich glaube ihm kein Wort. Noch eine nette Nachricht, die sich langsam in einschlägigen nepalesischen Guide Kreisen herumgesprochen hat…..es hat geschneit weit oben. War mir klar, wenn’s unten regnet. Was mir nicht klar war, dies bedeutet Lawinengefahr. Die Sonne knallt jetzt auf den Schnee und es waren schon 3 Tage keine Lawinen abgegangen, so dass man höllisch aufpassen musste. Mit dieser netten Nachricht versaute mir Shriman die Nacht, denn ich konnte nicht schlafen und  sah mich unentwegt als kleine dicke Schneekuller über die Hänge rollen.

Das nutzt nichts, zurück wollten wir nicht, so ging es am nächsten Tag weiter nach Dheurali ( 3200 Meter). Es war merklich kühler am nächsten Morgen. In der Nacht gab es Frost und unterwegs waren die Wege, gerade wo Steine lagen, sehr glatt.

In meinem Innersten hämmerte es immer Lawinen! Wann kommen diese Stellen? Langsam lag auch mehr Schnee unterwegs, was das laufen erschwerte. Ich nerve Shriman damit wann denn nun die gefährlichen Stellen kommen, schliesslich will man doch nichts verpassen, oder? Du wirst schon sehen, erst kurz bevor wir da sind geht es los. In der Zwischenzeit laufen wir hoch und nähern uns der 3000 Meter Marke. Für mich nichts ungewöhnliches, weiss ich doch, dass meine magische Grenze der Kopfschmerzen erst bei 4000 beginnt. Ich habe etliche Literatur über Höhenkrankheit gelesen. Beschrieben wird es meist so, dass es jeden erwischen kann, ob Sportler, oder Warmduscher, dies ist egal. Jeder kommt an die Reihe. Dabei soll, so schreiben sie, es jedes mal anders sein. Das kan ich so nicht bestätigen. Tut mir ja leid liebe Mediziner, aber bei mir geht es immer bei 4000 Meter los, nicht eher und nicht später.

Sei es drum, wir kamen dann auch, kurz vor Dheurali, an jene markanten Stellen, wo es seit Tagen keine Lawine gab. Ich habe so was noch nie erlebt, zum Glück. Im Fernsehen habe ich es gesehen, da war es immer ein Naturschauspiel. Shriman sagte mir, es gibt eine Stelle die höchst gefährlich ist, die wir aber erst am nächsten Tag erreichen sollten. Und zwei Stellen an denen man sehen und hören kann wenn die Lawine abgeht vom Annapurna. Dann sollte man einfach nur noch rennen. Rennen! Wie denn bei eisglatten Wegen, Berg auf und 10 Kg auf’m Buckel. Ich hoffte inständig ich werde nichts hören.

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Sieht doch irgendwie friedlich aus, oder?

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Dort vorn kann man schon Dheurali sehen, scheint nicht weit, wir brauchten aber noch 2 Stunden

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Hier kann man sehen, dass vor einigen Tagen Schnee kamDSC_0212

Während ich, die kleine rote Schneekuller, schon den ersten Lawinenabgang überwältigt hatte, stand Shriman noch mitten drin.

Zuvor gab es Diskussionen, ich wollte unbedingt ein Foto machen. Ich der leichtsinnige Tourist. Shriman meinte, mach dich rüber, er werde das machen. Er hätte mehr Kraft zum rennen. Irgendwie hatte ich ihn nicht so ernst genommen, als er von der Gefahr erzählte. Aber vor ein paar Jahren gab es schon mal einen leichtsinnigen Touristen, einen Japaner. Der sah die Lawine kommen und machte in aller Seelenruhe Fotos, anstatt die Füsse in die Hände zu nehmen. Woher man das weiss? Tage später fanden sie seine Leiche ganz weit unten, die Kamera hatte er noch in der Hand und man konnte sehen was sein letztes Foto war. Ehrlich wenn Ihr sehen könntet was da runter kam. Das war kein Schnee. Das waren Eis und Steinblöcke groß wie Autos. Die reisen alles mit was sich ihnen in den Weg stellt. Bevor ich es nicht selbst gesehen hatte, war mir das nicht klar.

In Dheurali hatte es auch mal die Lodge erwischt, nicht mit Schnee, aber es soll einen enormen Wind dabei geben. der hatte in der Nacht alle Fenster eingedrückt. Na toll und da sollten wir schlafen?

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Bis auf ein leichtes grummeln in den Bergen war nichts passiert, aber schon alleine das grummeln veranlasste mich etwas schneller meinen Ar…..zu bewegen und so kamen wir dann in Dheurali in der Lodge an. Die erste eiskalte Nacht sollte vor uns liegen. Am Abend waren minus 1o Grad. Und wenn Ihr denkt im Zimmer ist es wärmer, dann täuscht Ihr Euch. Dort waren auch minus 5 Grad. Das Problem ist……..man muss trinken in der Höhe , viel trinken, am besten saufen. Wasser und Tee Leute :). Dies wiederum veranlasst einen Nachts permanent seinen Popo in den Schnee (wollte sagen Bretter Toilette) zu stecken. Das macht keinen Spass bei Minusgraden. 🙂

 

 

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2 Antworten zu Wettrennen mit einem alten Mann

  1. antje schreibt:

    mir ist beim lesen richtig kalt geworden! du mußt ganz schön fit sein, um da oben rum zu kraxeln! mir reichen 2000 m, mehr brauch ich nicht 😉
    liebe grüße

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