Pashupatinath….wo die Toten verbrannt werden

Gestern Abend waren Shriman und ich Tote verbrennen gucken.
Klingt jetzt vielleicht etwas merkwürdig in Euren Ohren, gar makaber?
Es ist aber ein Bestandteil hinduistischer Kultur.

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Priester am Eingang

Jeder Tourist geht einmal, wenn er in Kathmandu ist, zum Pashupatinath Tempel. Der Platz an dem Leben und Tot nahe beieinander sind.
Pashupatinath ist kein einzelner Tempel, sondern ein großer Tempelkomplex in Kathmandu, gelegen am Bagmati Fluss. Dem heiligen Fluss in Kathmandu, der dann irgendwann einmal in den Oberheiligen Fluss, den Ghanges in Indien fliesst.
Es ist ein Platz des Todes ( so sehen wir, die Nicht Hindus das jedenfalls), aber es herrscht auch Fröhlichkeit und Leben dort.

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Pashupati Tempelkomplex

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Pashupatinath ist  übersäht mit Schreinen, Tempeln und religiösen Symbolen. Der grösste, bekannteste Tempel ist Shiva gewidmet und für uns Nicht Hindus verbotenes Terrain.
An seinem Eingang steht das ausladente Hinterteil eines goldenen Bullen, der uns damit jede Chance nimmt einen Blick ins Innere zu werfen.

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Verbotenes Gebiet für Nicht Hindus

In Pashupathi, einer der heilligsten Stätten in Kathmandu, werden die Toten verbrannt und ihre Asche dem Bagmati übergeben.

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Verbrennungs Chats am Bagmati

Der ist heilig, schrieb ich schon. Wir ( Westler) aber neigen dazu zu sagen, der Bagmati ist einfach eine stinkende, schmutzige Brühe. So ist es auch in meinen Augen. Neben der Asche der Toten sind im Fluss auch Müll, Plastik und Dinge von denen ich gar nicht möchte zu wissen was es ist. Wärend etwas weiter Flussabwärts, dort wo keine Verbrennungs Chats mehr sind, Menschen sich waschen, das heilige Waser auch trinken und sicher noch andere, für uns unanständige Dinge machen, brennen jeden Tag mehrere tote Körper. Und jeder der möchte darf dabei zusehen. Das gehört sich nicht, denkt ihr sicher?

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Priester bei einer Puja

Die Hindus glauben an Wiedergeburt, für sie ist der tote Körper nur eine Hülle……nichts weiter.
Ich weiss noch, als ich das erste mal in Nepal war, versetzte mich die Ankündigung unseres damaligen Guides in eine Art Schockzustand. Wir gehen zum Pashupatinath und ich wusst ganz genau was mich da erwarten sollte. Bei uns in Deutchland geschieht so was im Verborgenen und hier in aller Öffentlichkeit. Damals war das sehr bizarr in meinen Augen. Heute, jedoch, ist es normal für mich. Es ist nun einmal ein Bestandteil dieser Religion.

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Hunderte von Touristen, stehen auf der anderen Flusseite und sehen dem Treiben zu. Dabei sind die Zooms ihrer Kameras ausgefahren bis zum Anschlag. Anfangs wirkte das Geisterhaft auf mich, unanständig und eine einzige Efektenhascherei……Heute sehe ich das anders, auch ich mache Fotos.

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Mittlerweile ist eigentlich fotografieren, Rauchen und auch küssen? dort verboten. Das Verbot tut dem Geschehen dort keinen Abbruch und es wird weiter geknipst, teils auch geraucht…nur geküsst wird nicht mehr;)
Geschäftstüchtige Nepalis wandern dabei durch die Reihen der schaulustigen Westler und versuchen Klimbim, Essenswaren und allerlei andere Dinge den Menschen an den Mann zu bringen.

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Nepalis, so kann man den Eindruck bekommen, betreiben Verbrennungen als eine Art Volkssport ( mal drastsich ausgedrückt). Neben der Familie eines Toten drängeln sich ganze Scharren von Schaulustigen Neplis um die Verbrennungs Chats. Da wird gedrängelt und geschuppst, um den besten Platz zu ergattern. Kameras, Handys alles wird genutzt um Bilder von dem Toten, den sie nicht kennen zu bekommen. Dabei wird die Kamera auch schon mal nach vorn durchgereicht.

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Klar habe ich überlegt solche Bilder einzustellen, für Hindus ist es nichts anrüchiges. Ein Angehöriger dieser Frau die hier starb, bat mich darum ein Foto zu machen.

Ich versuche gar nicht zu verstehen was da vor sich geht. Ich sitze nur immer da, beobachte und mache mir meine eigenen Gedanken. Ich fühle Neugier und Befremden. Während ein Mensch verbrennt gestikulieren Fremde um ihn herum, klingeln Hanys und es wird berichtet was gerade vor sich geht.

Nepal hat kein Rentensystem, alte Menschen die arm sind und keine Familie haben, kommen in ein Hospitz, was sich auch im Inneren des Komplexes befindet. Je nach Zustand des Sterbenden wird er in ein bestimmtes Zimmer gelegt. Vorerst in die oberen Etagen und je mehr er seinem Leiden erliegt wird er immer weiter in die unteren Räume, nah am Flussufer umgelegt.
Hat er noch Familie, ist sie immer bei ihm.

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Heilige Frauen, die im Tempelbezirk leben.

Für Hindus ist es ein Privileg am Bagmati verbrannt zu werden. Bezahlt werden muss da natürlich auch, der Platz, das Holz und auch ein Priester der während der gesamten Zeremonie anwesend ist.
Gleich am Eingang der Chats hängt ein Preisschild….400Rs ( knapp 4 Euro) kostet die billigste Verbrennung.

Eingehüllt in gelbe, oder weisse Tücher, geschmückt mit vielen Blumengirlanden, werden die Toten auf einer Holzbarre am Fluss gebettet. Die Füsse des Toten werden zur letzten heilig Sprechung dabei in den Fluss gelegt, während die Familie sich verabschiedet.
Erst dann wird der Verstorbene auf einen Holzstoss gelegt, verbrannt und seine Asche dem Fluss übergeben.

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Das mag für uns erschreckend sein, mit zuzusehen wie Stück für Stück ein Mensch verbrennt. Für Hindus ist es aber lediglich die Hülle des Menschen, Heim für seine Seele…..nicht mehr und nicht weniger. Die Seele findet einen neuen Körper und lebt dort weiter.
Dem ältesten Sohn fällt dabei die Rolle zu den Vater anzuzünden, bei der Mutter ist es der jüngste Sohn.

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Puja für ein verstorbenes Familienmitglied

Ein Ereignis was in unserem Kulturkreis in Stille und Andacht begangen wird, ist in Nepal so komplett anders. Vergeblich sucht man nach Einkehr und den von uns vertrauten Traditionen. Für Hindus ist geboren werden und sterben der normale Zyklus des Lebens. Auch Hindus sind traurig, wenn ihnen nahestehende Menschen sterben, sie gehen nur ganz anders damit um.

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Jeden Abend findet im Pashupathi eine religiöse Zeremonie statt. Es wird gesungen, getanzt und drei hinduistische Piester zelebrieren eine Puja. Dies sahen wir uns gestern Abend an. Doch davon berichte ich morgen.

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3 Antworten zu Pashupatinath….wo die Toten verbrannt werden

  1. antje schreibt:

    es ist wirklich toll, was du alles sehen, erleben und fotografieren und uns dann mitteilen kannst! ich bin immer wieder erstaunt und begeistert, wie es so ganz anders und fremd in nepal zugeht. der tod gehört zum leben, und ich finde, die nepalis machen es richtig, wie sie mit den toten umgehen. danke für deine eindrücke!
    liebe grüße

  2. Helga schreibt:

    Für uns wirklich eine fremde Welt.
    Damals habe ich mich geweigert hinzufahren, (ich war alleine). Jetzt tut es mir leid, es gibt sicher schlimmere Dinge im Leben.
    Schön, dass Du all diese Dinge mit den Augen der Einheimischen zu sehen bekommst.

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