Mero Sathi Opika

Meine Freundin Opika. Schützling aus der Gassenküche. Ein 11 jähriges Mädchen was täglich versucht für ihre zwei Geschwister
( Anisha 3 und Babu 1) zu sorgen. Durch Bettelei, versteht sich. Etwas anderes hatte sie nie lernen dürfen.

Oft war ich in Boudha seit die Gassenküche wieder geschlossen ist. Ich habe einige Bekannte wieder gesehen, mit ihnen gesprochen, teils auch gescherzt.

Opika, ich wusste sie ist nicht in einer Schule. Sie hatte eine Chance bekommen ein Hostel plus Schule gesponsert zu bekommen von der Organisation. Doch sie erschien nicht an jenem besagten Tag. Sie erschien nicht, so wie ihre Freundin Manisha die jetzt am Rande der Stadt eine Schule besucht und weit weg von der Strasse ist.

Opika wollte auch zur Schule. Warum also in Gottes Namen erschien sie nicht?
Ich sah Opika immer mit ihren zwei Geschwistern, nie mit einem Elternteil. Eine Mutter hat sie, von einem Vater redete sie nie, oder wenig.
Als 11 jähriges Mädel trägt sie die Verantwortung, so sehe ich das, für die Familie. Sie erbettelt was zum Überleben gebraucht wird, denn Leben kann man das nicht nennen was sie hat.

Was wäre wenn sie in der Schule wäre? Die Kleinen könnten nicht sich allein versorgen, die Mutter müsste übernehmen was sie ihrer Tochter zumutet.
Ich möchte nicht über die Mutter richten, keiner weiss was sie so weit getrieben hat.
Richten müsste man die Gesellschaft, denn eine Gesellschaft ist nur so gut, oder schlecht wie sie mit den Schwächsten umgeht.

Die nepalesische Gesellschaft muss demnach sehr schlecht sein?
In einem Land das zu den 10 Ärmsten der Welt gehört, ist so was normal, denkt man?

Ich habe schon mal geschrieben, dass ich, als ich einen tieferen Einblick in das Land bekommen konnte, entsetzt war wie viele Nepalesen umgehen mit Strassenkindern mit den Ärmsten der Armen. Die wenigsten schauen überhaupt hin.
Ich war enttäuscht.
Viele Freunde habe ich gefragt, warum tut ihr das?

Blöde Frage, ich weiss.
80 % aller Nepalesen kämpfen Tag für Tag für ein normales Leben. Sie haben nicht noch die Energie, oder das Geld, den Untersten der Gesellschaft zu helfen.

Und doch, da gibt es einige. Sajahna zum Beisspiel, eine Schulfreundin von mir. Sie lehrte für ein Jahr Strassenkindern lesen und schreiben. Und nahm damit in Kauf ein Jahr weit aus weniger Verdienst zu haben.

Es geht nicht nur ums geben. Es geht auch um Respekt. Ich sah das Hunde mehr Respekt erhielten als Menschen. Ich sah das nicht nur bei Nepalesen, auch bei Ausländern.

Ich sah aber auch, Nepalesen wohlwollend zusehen, wenn wir, oder ich mit Strassenkindern redeten. Mit ihnen spielten. Das ist nicht viel, ich weiss. Ich habe begriffen das man nicht alle retten kann. Man kann aber versuchen sie nicht als Unwürdige zu behandeln.
Mein persönlicher Abschied sollte es heute von Boudha sei. Ganz für mich allein. Noch einmal durch die Gassen rings um Bouadha zu gehen und den einen oder anderen zu treffen und sich zu verabschieden.

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Bye Boudha….

Dabei traf ich natürlich Ricoh den Schuhputzer, der wie jeden Tag an seiner Ecke sitzt. Heute fasste ich mir ein Herz und fragte ob ich ein Foto zur Erinnerung machen darf. So gut es ging versuchte ich zu erklären was ich hier in meinem Blog mache und das ich gern meinen lesern zeigen möchte wer Richo ist. Ich darf es. er hat es mir erlaubt.

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Links das ist Ricoh der freundliche Schuhputzer aus Indien.

Dann ist noch etwas passiert, woran ich nicht mal gehofft hatte zu denken.

In einer Gegend wo ich es nicht vermutet hätte hörte ich meinen Namen rufen.
Opika…so schnell sie konnte kam sie mit ihrer kleinen Schwester an der Hand und dem in ein ein Tragetuch eingewickelten auf ihrem Rücken haltenten Bruder angelaufen.

Mero Sathi ( Freund) du bist noch hier? Nach 8 Monaten Nepal war das ein Moment der mich sehr glücklich gemacht hat. Nicht das sie da ist wo sie ist, sondern das es ihr gut geht. Soweit man das in ihrer Situation sagen kann.
Glücklich auch darüber und da bin ich ganz egoistisch, dass sie noch meinen Namen wusste.

Mit meinem holprigen nepalesisch versuchte ich so gut wie möglich zu erfahren was sie macht, wie es ihr geht.
Hast Du Hunger? Natürlich hatten die Vier, denn Manishas Bruder war auch mit dabei, Hunger.

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Ich weiss man soll es nicht machen. Geld geben. Die Kinder brauchen Nachhaltigkeit. Doch das kann ich zum Teufel noch mal im Moment nicht geben.
Ja das macht mich traurig und betroffen.

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Kommst du wieder? Wann gehst du weg? Opika versuchte so viel zu fragen. Wieder bereute ich es nicht noch mehr Nepali gelernt zu haben.
Die kleine Schwester an meiner Hand, führte mich Opika zu ihrem „Arbeitsplatz“.

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Mit einer für eine 11 Jährigen wahnsinnigen  Fürsorge sah ich zu wie sie den Platz einrichtete. Jeder bekam seine Sitzecke zugeteilt. Der Kleine bekam ein Tuch über den Kopf zum Schutz vor der Sonne. Dann meinte sie zu mir…..kannst du kurz hier aufpassen? Ich möchte etwas zu essen kaufen.
So kam es das ich mit 3 Bettel Kindern am Strassenrand sass und wartete. Begleitet von sehr erstaunten Blicken vorbei huschender Nepalis.
Stolz kam Opika zurück, gekochten Reis in der Hand. Den sie mir hin hielt damit ich auch was ab bekomme. Mit einem Zwinkern in ihren Augen die wohl sagen wollten. Ich habe Reis für das Geld gekauft. Hingegen der Annahme vieler Nepalesen und Touristen sie würden Klebstoff oder gar Alkohol kaufen. Natürlich gibt es das.

Nach einander fütterte sie die Kleinen und versuchte immer wieder mir Fragen zu stellen die ich nicht alle beantworten konnte. Nach ein paar Minuten kamen 2 Ladenbesitzer die uns eine Weile beobachtet hatten. Der eine brachte Bananen, der andere Kekse und Wasser.
Sollte ich mich doch getäuscht haben? Oder war es nur wegen mir?

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Ich konnte nicht anders. Als ich Opika beobachtete wie sie mit den Kleinen umging, dachte ich an mich als 11 Jährige. Wie war ich damals? Ich kann mich nicht erinnern, aber ich weiss Opika hat der 11 Jährigen Deutschen von damals vieles voraus. LEIDER!!!

Für mich entschied ich, es wurde Zeit mich zu verabschieden. Nepalesen zeigen keine Gefühle in der Öffentlichkeit. Doch ich drückte Opika ganz fest an mich und murmelte…pass auf dich auf Kleine ( Große).
Mehr konnte ich nicht tun………….

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6 Kommentare zu „Mero Sathi Opika

  1. ach ines, wie recht du doch hast! ich meine jetzt deine antwort an vallartina. ich bin gerade aus deutschland wieder zurück und staune immer noch, was es dort alles gibt, das der mensch nicht braucht! so viel überfluss….

    1. und das schlimme ist, so denke ich jetzt mal, bin ich einige monate zurück denke ich möglicherweise wieder anders und halte vieles überflüssiges wieder für wichtig? bist du glücklich wieder in argentinien zu sein, oder hast du jeimweh zurück nach deutschland?

      1. ich bin hier wieder glücklich zu hause und möchte nicht zurück nach deutschland. natürlich vermisse ich meine söhne, aber heimweh habe ich nicht. ich könnte mir auch vorstellen, wieder in deutschland zu leben, schließlich habe ich den größten teil meines lebens dort verbracht. aber ich bin lieber hier und fühle mich wohl hier.
        wenn du zurück bist, mußt du dich wieder anpassen, da bleibt dir kaum was anderes übrig, wenn du nicht ständig anecken willst. aber es ist gut, daß du beide seiten kennst und weißt, es geht auch anders.
        genieße die vorerst letzten 15 tage, liebe grüße

    1. mir ging es auch ans herz mich von ihr zu verabschieden. wer weiss was mit ihr passiert, sie hat nicht mehr lange zeit. 2 jahre noch und man könnte sie nicht mehr „retten“….es ist eigentlich alles eine schande wenn man bedenkt wie viel geld manche leute haben und nichts sinnvolles wissen damit anzustellen. lg

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