Nun aber doch Abschiedsgedanken, oder was ist denn nun meine Heimat?

Heute ist der Tag gekommen, der Tag X. Erst zählte ich in Monaten, dann in Wochen, Tagen und jetzt sind es nur Stunden.

Ich freue mich auf die Familie und die Freunde zu Hause, nur stehe ich jetzt auch vor dem Dilemma nicht zu wissen, welche der Beiden Länder, wirklich meine Heimat ist. In dem einen leben Familie und Freunde und hier, in Nepal, habe ich mich wohl und glücklich gefühlt. Hier habe ich auch einen Sinn darin gesehen in dem was ich getan habe.
Wenn ich ehrlich bin, werde ich mit sehr gemischten Gefühlen das Flugzeug besteigen.

So vieles war neu für mich. Dinge die sicher noch sehr lange nachwirken, für die ich, um zu verarbeiten, noch Monate brauchen werde.
Fast jeden Tag ein Höhepunkt. Routine, so gut wie gar keine.
Doch seit Tagen habe ich das Gefühl etwas zu verpassen. Alles mit zunehmen was es noch gibt, oder auch nicht.

Was habe ich nicht alles erlebt.

Jede Busfahrt, während der ich grinsend wie ein Honigkuchen Pferd im Bus sass und sitze, genieße ich noch immer. Sauge ein was draußen passiert. Auch wenn nichts passiert. Für mich ist es immer noch exotisch und abenteuerlich. Am liebsten möchte ich Tag für Tag raus, immer nur raus, gucken, greifen, dabei sein.
Sehnsucht nach mehr?

Aber tausende Fotos habe ich gemacht, scheinbar unendlich viele Abenteuer erlebt.
Langsam habe ich begonnen andere Menschen besser zu verstehen, wenn auch nicht immer.
Neue Freunde habe ich gefunden. Mich auch von „Freunden“ verabschiedet. Jene die nur darauf aus waren, sich Vorteile zu erhoffen. Ja auch das lernt man mit der Zeit zu differenzieren.
( Auch wenn man es im Innersten verstehen kann)
Die jedoch, die geblieben sind, wie Sajana, Harit, Nima, die Anti und der Onkel, natürlich auch Shriamans Familie werde ich von Herzen vermissen.

Ich habe gelernt eine bis dato fast unbekannte Kultur, wenigstens etwas besser zu verstehen. Denn ich denke, man kann noch so lange hier leben, richtig versteht man nie deren Kultur.

Nepalesische Feste habe ich gefeiert. Feste von denen ich zuvor kaum den Namen kannte. Mit den Rai gefeiert und getanzt. Und auch Feste anderer Kasten erlebt.

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Ich habe mit eigenen Augen gesehen wie ein Teil der Menschen hier, tief unten, am untersten Rand der Gesellschaft lebt. Ich habe es gesehen und kann es bis jetzt noch nicht richtig begreifen. Kinder die nichts weiter als ihre Sachen am Leib haben, rührten mich zu Tränen, mit den Gedanken tief in meinem Bewusstsein, ich kann nicht viel für sie tun. Sehr glücklich darüber bin ich einige der wundervollsten Menschen und Kinder kennen gelernt zu haben.

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Auch Bürokratie die hier, man glaubt es kaum, aufwendiger als bei uns ist habe ich erfahren. Die man aber auch umgehen kann mit dem nötigen Kleingeld.

Menschen die mich im Bus daran erinnerten das ich noch Kleingeld zurück bekomme, wenn der Contacter keine Anstalten machte. Menschen die mich immer wieder neugierig ansahen. Menschen die mich fragten was will ich hier, solche die mich einfach mal so zum Tee einluden
( in einem Slum!).

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Vor einem der höchsten Berge der Welt habe ich gestanden, ( na gut, nicht zum ersten mal) an gefährlichen Lawinen vorbei gegangen, Nachts bei Minusgraden im Bett gefroren und den Himalaya erlebt.

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Bis tief in den Süden des Landes bin ich gereist, stundenlang im Bus gesessen und Hindi Movies gesehen.

Ich habe Menschen getroffen die mit mir zusammen versucht haben ein kleines Stück Freude anderen zu bereiten. Mit einigen von ihnen stehe ich nach wie vor in Kontakt. 

Tausende Worte können eigentlich nicht beschreiben was ich hier empfunden habe.
Vielleicht einmal später in einem Buch.

Und jetzt wo ich mir das durch lese, frage ich mich……warum habe ich gemischte Gefühle? Ich habe erlebt was viele niemals erleben werden. Weil sie es nicht wollen, können, oder aber sich nicht trauen.
Ich müsste eigentlich glücklich sein überhaupt die Möglichkeit dazu gehabt zu haben. Millionen Nepalesen haben nicht das Glück.

Warum bin ich es dann nicht, warum sehe ich der Zukunft mit gemischetnem Gefühlen entgegen?

Natürlich habe ich noch viel zu erzählen und berichten, was ich im Laufe der Zeit nachholen werde. Ausserdem ist ja da noch Shriman, wie es da weiter geht werde ich auch breichten.
Doch jetzt werde ich am Montag in den Flieger steigen und es heisst Bye Nepal. Vorerst das ist wohl klar. Am Dienstag werde ich dann wieder in meiner Stadt eintreffen. Schaun wir wie es weiter geht………Eure Basundhara

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6 Kommentare zu „Nun aber doch Abschiedsgedanken, oder was ist denn nun meine Heimat?

  1. Und genau das soll das Vorwort zu Deinem Buch werden.
    Was ist das beste Buch der Welt? Es ist noch nicht geschrieben worden.
    Ich möchte eine signierte Kopie aus der Erstausgabe.
    Viel Glück weiterhin. Lg.Helga

  2. Das hast Du so schön geschrieben… Leider kannst Du nicht ganz Kathmandu in Deinen Koffer packen.. Gute Reise und wieder gutes Eingewöhnen..
    LG Maya

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