Der letzte Tag in Nepal

Ich habe mich heute bei ALDI zum Ei gemacht habe, indem ich wartete bis jemand meinen Korb an der Kasse ausräumt, einscannt und meine Einkäufe in eine Plastik Tüte packt. Ja so blöd war ich ;). Ich war einfach voll in Gedanken in Nepal Dort gehört das zum Service, während hier beim Discounter erwartet wird, dass man in Sekundenschnelle wieder von der Kasse verschwindet und natürlich vorher sein Geld hinblättert. Ja ja ich weiss liebe ALDI Angestellten, dass Ihr unter Zeitdruck steht ;).

Das ganze gipfelte dann noch darin, dass mir einfach meine PIN von der Karte nicht mehr einfiel und ich erst mal nachsehen musste . ( Ich weiss soll man nicht notieren). Das Augenrollen der anderen Kunden ignorierte ich, sowie auch das heimliche Stöhnen der Kassiererin.

Nun aber zum letzten Tag in Nepal.
Der damit begann das wir noch einmal zur Botschaft mussten zwecks Shrimans Visa. Von dort wieder zurück mussten wir uns erst einmal stärken. Hunger! Es gibt eine Restaurant Kette in Nepal die heisst …“The Bakery“.  Dort waren wir oft. Angenehme Preise, tolles Ambiente und gutes Essen. Das Einzigartige dieser Kette ist, dass etwa 80% der Angestellten taubstumm sind. Tolles Komzept. Ich verabschiedete mich bei ihnen und bekam zum Dank eine herzliche Umarmung einer Angestellten mit der ich sehr oft kommuniziert hatte.

Passbilder mussten noch her. Schliesslich wollen potentielle neue AG mein Face auf meiner Bewerbung sehen. Und da ich in Deutschland bei nicht besserer Qualität das Zwanzigfache bezahle, machte ich das natürlich gleich dort. Wir haben in Nepal unser eigenes Fotostudio, was wir für solche Dinge immer nutzen. Die Eigentümer sind längst auch Freunde von uns, so konnte ich mich bei ihnen auch gleich verabschieden.

Wieder zu Hause versuchte ich die restlichen Kilo in meine Tasche zu packen. Dabei habe ich auch mit Erfolg zwei Mangos am deutschen Zoll vorbei geschmuggelt ;).
Nächster Abschied bei der Vhausu ( eine Tante), die gegenüber lebt. Kurz einen Tee geschlürft bye bye gesagt und wieder zurück.

Dort sollte dann die große Abschiedszeremonie starten. Eigens dafür, nur für mich, hat Shrimans Familie eine Puja  gemacht. Wobei sie sämtliche Götter anbeteten mir eine gute Heimreise zu gönnen.
Warum ich zuvor meine Rückflug Klamotten angezogen habe, weiss ich im Nachhinein auch nicht. Wenn einem aber auch keiner sagt was zu erwarten ist. Frisch geduscht mit gestyltem Haar wartete ich auf das was passiert.

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Und ich kann nur sagen, ich wurde mit einer Reis Joghurt Mischung beworfen und sah aus als hatte ich eine Gesichtsmaske genossen.
Im Schneidersitz sass ich auf dem Fussboden und nacheinander kam jedes Familien Mitglied und bestrich mir mit jener Mischung die Stirn. Zuvor wurde mir das auch auf mein fein geföhntes Haar gekleckert. Dann bekam ich eine Kattha ( Glücksschal) umgelegt, ein kurzes gemurmeltes Gebet und von jedem ein bisschen Knete. 6 Leute ergötzten sich daran mich mit Reis voll zuschmieren und ich konnte aus den Augenwinkeln sehen wieviel Spass sie dabei hatten ;).

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ich darf das Bild veröffentlichen.

Am Ende stand ich da mit 7 Schals um den Hals und reichlich Reis am Körper. Ich wollte schon eine SMS nach Deutschland senden…..bitte kein Reis und Joghurt kaufen, ich bringe mit . 🙂

Sollte ich so zum Flughafen?
Ja, sgte Shriman du kannst es nicht abmachen es ist unhöflich und bringt Unglück.
Aber ich kann doch nicht so gehen? Nein das geht gar nicht, schrie es in mir. Shriman, der meine Gedanken zu 100% erahnte, raunte mir zu……es fällt ab wenn es trocken wird.
Da stand ich nun, bekleckst, schwitzend von den ganzen Schals und irgendwie sau blöd guckend, aber gesegnet.

Eine Reisspur hinter mir her  tröpfelnd gingen wir nach oben zur Anti und dem Onkel um Bye zu sagen. Dort gab es „nur“ eine Kattha und zum Glück kein Reis, sondern 2 Äpfel.

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So was hatte ich noch nie erlebt und ich habe einiges in Nepal erlebt.

Shriamn und ich mussten los. Der Flieger wartet nicht. Alle waren noch in der Wohnung, auch die Anti und der Onkel hatten sich mit dazu gesellt. Sie bequatschten ausgiebig meine Situation und das was mir bevor stand. Ich stand indessen im Bad und versuchte den ersten Reis der trocken war ab zu schütteln. Alibi mäßig lies ich natürlich noch was drauf.

So, der große Moment war gekommen…….ganz kurz noch jeden gedrückt, kurz umgedreht Bye gesagt und ganz schnell, ohne noch einmal zurück zu sehen, aus der Wohnung verschwunden. Aus geheimen Quellen weiss ich, dass so einige geweint hatten. Ich kann also gar nicht so eine Zicke sein ;).

Das Taxi teilten sich der Fahrer, Shriman , ich und 43 Kg Gepäck, verteilt auf den Sitzen und dem Kofferraum. Wobei wir beide ganze 23cm Sitzfläche für uns hatten. Am Flughafen angekommen, wartete N. auf uns. N. unser guter Freund der mich verabschieden wollte. Ein leichtes grinsen huschte über seine Lippen als er mich so festlich geschmückt sah. In ängstlicher Erwartung auch er wird mir noch den letzten Batzen Reis ins Gesicht schmieren, war ich glücklich das es nur eine Kattha war.

Unser Abschied war kurz und schmerzlos und ich verschwand ganz schnell ins Innere. Bepackt mit zwei Koffern, einem kleinen Handgepäck Koffer, einer Laptop Tasche die neben einem Laptop gute 5 Kg Prospekt Material über Nepal enthielt und meiner Jacke kämpfte ich mich bis zum Counter von Qatar Air. Während ich so in der Schlange stand, in Gedanken versunken warum ich eigentlich zurück muss/soll/will, merkte ich so gar nicht das der Deckenventilator über mir meine Reis Joghurt Mischung trocknete und den Reis in der Gegend herum wirbelte. Wobei sicher der eine, oder andere Passagier Reiskörner auf der Bluse hatte.

Im Immigration sah der Officer mich an und meinte nur…..Nepali Family? Yes Sir Puja. So gleich belaberte er mich in Nepali. Man staune ich konnte sogar antworten. Als dann die Frage kam……warum wollen sie dann schon zurück? Zweifelte ich leicht an seiner Kompetenz. Ja Hallo……etliche male in KTM beim Immigration Visa beantragt, den Kollegen beim Tee trinken zu gesehen, Knete bezahlt und trotzdem beim letzten mal gesagt bekommen….länger geht aber nicht! 😉 Sollte er am Flughafen die Regeln seines Arbeitgebers vergessen haben? 😉

Es kam was kommen musste. Ich suchte das stille Örtchen auf und wischte die Reste meiner Kriegsbemalung ab. Tut mir leid liebe nepalesische Family. Ich liebe Euch , aber so kann ich nicht fliegen.

Dann ging alles ganz schnell………….einsteigen, noch einmal die Luft schnuppern, die auf einmal gar nicht so unangenehm war, anschnallen……Ready for flight.

Und da bin ich.

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6 Antworten zu Der letzte Tag in Nepal

  1. antje schreibt:

    was hast du nicht alles erlebt! und dann dieser abschied, einfach rührend, ich hätte bestimmt auch geheult!
    laß es langsam angehen, der alltag kommt von ganz allein und viel zu schnell!
    liebe grüße und toi toi toi!!!

    • 1basundhara schreibt:

      ja der abschied war schon sehr traurig. ich würde es gern langsam angehen lassen, aber ich muss schnellstens einen Job suchen. erstens ist das besser wegen dem Visum für bj und zweitens brauche ich ja auch Geld. mein Arbeitslosengeld ist nicht gerade üppig.im Moment habe ich eine komische Phase. die erste Aufregung ist vorbei und ich habe das gefühl hier ist nicht mehr meine Heimat. ich vermisse alles so. lg

      • stefanie schreibt:

        Diese Phase hat glaube ich jeder, der nach langer Zeit in die alte Heimat zurück kommt. Was man braucht ist Routine und was zu tun, sonst ziehen sich die Tage ewig und man hat zu viel Zeit für Heimweh/Fernweh, was auch immer es ist. Es wird besser mit der Zeit, aber wenn ein Stück vom Herzen irgendwo anders hängt, ist es nie mehr wie zuvor. Was aber letztendlich eine schöne Sache ist!

      • 1basundhara schreibt:

        es wird nie mehr wie zuvor sein. stimmt. am liebsten würde ich wieder weg gehen…..lg

  2. Stefanie schreibt:

    Die Supermarkt-Geschichte ist mir nach meinem Neuseeland-Jahr auch passiert 🙂

    Leider gewöhnt man sich schnell wieder ans selber packen…

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