Guck mal, der Kleine hilft seinen Eltern

Solche Sätze habe ich, von Touristen wie ich auch mal einer war, während meiner Streifzüge durch das Land oft gehört. Ach wie niedlich der Kleine hilft seinen Eltern.

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Was hier so niedlich aussieht, ist schlicht weg Kinderarbeit. Kinderarbeit ist verboten in Nepal. Doch wer kontrolliert das schon? Selbst wenn, wer macht etwas dagegen? Kaum jemand.

Der Kleine, so könnte man fast sagen, hat Glück gehabt. Einen „einfachen“ Job konnte er ergattern. Im Vergleich zu den vielen Kindern, die schon mit 6 Jahren in den Zigeleien rund um Kathmandu arbeiten müssen.

Bei uns im Viertel sah ich jeden Tag in fast jedem kleinen Geschäft Kinder die arbeiteten. Jeden Morgen, als ich gegen 7 Uhr zur Arbeit ging, sah ich Ramseh etwa 12 Jahre alt. 7 Uhr da war er schon am arbeiten. Gäste bedienen, am Ofen stehen und vorbereiten, sauber machen und alles was noch dazu gehört. Als ich Nachmittags heim kam war Ramseh auch noch da, immer noch beschäftigt. Selbst am Abend, gegen 7 Uhr, wenn Shriman und ich auf den Markt gingen, war Ramseh immer noch noch zur Stelle. Das gleiche Spiel am nächsten Tag. Tag für Tag, 7 Tage in der Woche und 52 Wochen im Jahr. Und immer mit einem kleinen verschmitzten Lächeln im Gesicht.

Ramseh kommt aus dem Terrain und ist natürlich von Geburt an aus einer niedrigen Kaste. Er ist ein Tharu. Sie  leben vorwiegend im Terrain und West Nepal. Ramesh’s Eltern haben ihn „verkauft“. Kann man es ihnen zum Vorwurf machen? Nein!

Bittere Armut führt dazu das die Eltern einfach keine andere Möglichkeit haben ihre Kinder durch zubringen. Sie werden in die Stadt geschickt zum arbeiten. Meistens ohne einen Lohn zu bekommen, nur für Kost und Logie. Ramesh hat einen guten Chef. Ich konnte nie beobachten das er geschlagen wurde. Der Laden war seine Heimat, auch Nachts war Ramesh dort und schlug sein Bett hinten in eienr Ecke auf.

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Viele Kinder verdienen sich auch als Contacter in den Bussen.

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Oder als Träger im Gebirge.

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Ein ganz krasses Beispiel sah ich während unserer Reise nach Khotang ( Ost Nepal). Der Kleine ist 6 Jahre alt und muss die Familie unterstützen in dem er Holz zum bauen die Berge hoch trägt.

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Mädchen die Lumpen in Kathmandu sammeln.

In der Öffentlichkeit, gerade in den Städten, sah ich fast nur Jungs die arbeiteten. Verborgen jedoch, meist in Haushalten reicher Nepalesen haben Mädchen das gleiche Schiksal.

„Arbeitsvermittler“, oder Menschen die es „gut“ meinen ziehen in Scharen durch die ländlichen Gebiete Nepals, um Ausschau nach Ware zu halten. Schwer fällt es nicht in einem der ärmsten Länder der Welt „Ware “ zu finden.

Als ich noch in Kathmandu lebte, es ist auch noch gar nicht so lange her, sah ich eine Demonstration. Ehemalige Kamalaris ( weibliche Haus Sklavinen) protestierten dafür das durch die nepalesische Regierung Untersuchingen angestrebt werden. Was das verschwinden einiger Kamalaris, deren Tot und auch Schwangerschaften betrifft.

Kamalaris ( hart arbeitende Frau) sind Haus Sklavinen, die aus Not von ihren Eltern verkauft wurden, um in Haushalten der Reicheren zu arbeiten.Und das bis zu 18 Stunden am Tag. Schon mit 6 Jahren , oder jünger, trifft die meisten ihr Schicksal. Verkauft für ein paar Dollar.

Rund um die Uhr haben sie zu arbeiten, ohne Lohn, oft ohne Respekt. Oftmals Schlägen und sexuellen Übergriffen ausgesetzt. Werden sie nicht mehr gebraucht, sind sie schwanger, oder gar krank werden sie einfach auf die Strasse gesetzt.

Die Teppich Fabriken, dort wo die wunderschönen gewebten Teppiche herkommen, die Haufenweise von Ausländern gekauft werden zu sehr moderaten Preisen, sind voll mit Kindern.

Genau so wie die Zeigelein rund um Kathmandu. Kinder arbeiten unter miesesten Bedingungen für Essen und Unterkunft bis zu 12 Stunden am Tag.

Steine Klopfer. Kinder die am Rande der Straßen sitzen, den ganzen Tag Steine klopfen und schleppen. In mitten des qualmenden Verkehrs in den Städten.

Auch der Berg Tourismus macht kein halt vor Kinderarbeit. Jungs mit 12 Jahren schleppen täglich 35 Kilo bis hoch auf über 5000 Meter. Dafür bekommen sie in etwa 7 Euro am Tag. Wohlbemerkt schleppen sie Gepäck westlicher Touristen.

Schätzungsweise 2,6 Millionen Kinder von 5 bis 16 Jahren müssen arbeiten in Nepal. Und das bei einer Gesamt Bevölgerung von 30 Millionen.

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5 Antworten zu Guck mal, der Kleine hilft seinen Eltern

  1. Khai schreibt:

    Die Schattenseite von Nepal 😦
    Ich habe es sogar erleben können, dass Eltern ihre Kinder aus kostenfreien Wohltätigkeitsheimen „entführt“ haben, um diese wieder auf die Straße zum arbeiten/betteln zu schicken. Haben Behörden irgendetwas getan? Natürlich nicht….. Wir mussten wochenlang selber suchen 😦
    Ist natürlich ein gesellschaftliches Problem ausgelöst durch extreme Armut. Wie kann man den Wert von Bildung als zukünftige Investition anerkennen, wenn man nicht einmal weiß, wie man den morgigen Tag überleben soll.
    In den Städten ist das natürlich extrem… und wenn man mal abseits der Touristenattraktionen schaut, findet man schnell die angesrpochenen Fabriken 😦
    Ich frag mich, ob es in den entlegenen Regionen Nepals ähnlich ist – vorstellen kann ich es mir alle mal. Irgendjemand muss ja den Eltern auf den Feldern und im Haushalt „helfen“ 😦
    LG

    • 1basundhara schreibt:

      hallo Khai, habe ich auch erlebt.in der gassenküche sollte ein Mädel aufgenommen werden ins Programm. sie sollte in eine boardingschule mit Pensionat, bezahlt von der Organisation. die mutter sagte nein. warum? die kleine kümmert sich um ihre zwei Geschwister und geht betteln. 3 abgerissene, schmutzige kinder bekommen mehr als eine frau die Alkoholikerin ist. wiederum was hat die frau für perspektiven? es ist ein Teufelskreis und fast ganz Nepal schaut zu. ich kann dir versichern in den ländlichen gegenden ist es nicht anders. als wir damals in khotang waren trafen wir viele kinder die auf dem Feld der Eltern arbeiten mussten. gar 5 jährige ( siehe Bild) die holz transportieren. was soll man tun? auch beim trekking gibt es minderjährige träger. Touristen sah ich viele die sich aufgeregt hatten, aber einen zu sponsorn fällt wenigen ein. ein jahr in einer Dorfschule kostet weniger als ein flug nach Nepal…..lg

  2. antje schreibt:

    das liest sich ganz schlimm! nepal ist nicht das einzige land, in dem kinder hart arbeiten müssen, leider! und wir kaufen oft billige kleidung oder andere artikel, freuen uns über die schnäppchen und denken nicht weiter…bekannt ist das problem ja.
    liebe grüße

    • 1basundhara schreibt:

      und teils kann ich es sogar verstehen. nicht alle in Deutschland haben das Geld teure Kleidung zu kaufen. ausserdem wage ich zu bezweifeln das teure Kleidung auch von Fachkräften in Europa gemacht wird, dann wäre sie noch teurer. wer will und kann das schon kontrollieren. lg

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