Szenen einer Ehe

Ich: wann wollen wir denn mal deine Sachen packen?

Shriman: muss mal gucken. Morgen oder so.

Ich: aber übermorgen fliegst du! (leichtes bewegen meiner Augenbraue nach oben)

Shriman: aber habe ich doch noch Zeit.

Ich: (leicht gereizt) aber wir können doch mal anfangen!

Der Hintergrund: Shriman selber braucht nicht viele Sachen, seine „Arbeitskleidung“, die Trekkingklamotten sind eh in Kathmandu. Andere Kleidung auch. Viel braucht er von hier nicht mitzunehmen. Da wir aber hier Kinderkleidung sammeln und mit nach Nepal bringen kommt so einiges zusammen. Außerdem schicke ich auch jedes mal diverse Küchengeräte und Dinge von denen ich glaube sie mal in Nepal zu brauchen mit. Zum Beispiel eine Kartoffelpresse, einen Handstaubsauger mit Akku, eine Lampe mit Batterie und lauter solche Sachen. Natürlich noch kleine Geschenke für Freunde und Familie und dieses mal auch 8 Kindermikroskope die in eine Schule nach Khotang gebracht werden sollen.

Da gilt es schon bei begrenzten Gepäckmengen auszusuchen.

K640_DSC_1346

Dieses mal sind die Kindersachen für Familien die bei den letzten Erdrutschen ihr Hab und Gut verloren haben.

Wieder zurück zu unserem Gespräch:

Ich: na los doch fangen wir doch mal an. 30 Kilo müssen gut gewählt sein.

Shriman: (leicht genervt) na ok.

Ich: das brauchst Du nicht, zu schwer! Und das und das und das…..

Shriman: nein ich nehme alles mit, die haben noch nie was am Flughafen gesagt.

Ich: (mir schwante schon kommendes Unheil) das bekommst du nie durch.

Lange Rede kurzer Sinn; Shriman packte was das Zeug hält (packen kann er besser als ich) und hoffte auf sein bis dahin nie verlassendes nepalesisches Glück.

K640_DSC_0097

Kurzzeitig sah es in unserem Schlafzimmer aus wie auf einer Müllhalde.

2 Tage und 34 Kilo später kamen wir nach einer langen Zugfahrt in Frankfurt an. Der Check in, diesmal flog er mit Etihad, war spärlich belegt. Shriman ging siegessicher Richtung Check in zu einer Dame, die sagen wir mal, eine leicht säuerliche  Miene aufgesetzt hatte. Das konnte ja heiter werden sagte mir meine Erfahrung. Bing, bing, bing….die Waage stand still und? 36 Kilo. Uff 6 zu viel. Da werde ich wohl meine Waage zu Hause mal überprüfen.

Während ich sonst immer, ich betone immer, eine Kulanz von 2 Kilo erhalten habe, sagte jene Dame im barschen Ton: sind sie Gold Mitglieder? Nö schüttelten wir unser Haupt. Dann, so betonte sie spitz, haben sie zu viel. In dem Moment hätte ich ja gern zu Shriman gesagt: ich hab s dir ja gesagt, was ich mir jedoch verkniff. Packen sie um, nehmen sie raus, oder was auch immer, jedenfalls ist das zu viel. Sei denn sie zahlen für ein Kilo 27 Euro. Klar, machen wir doch glatt weg…..da würde ich lieber 27 Euro jenen Familien geben.

Wir trabten zurück in eine stille Ecke die am Frankfurter Flughafen erst mal gefunden werden muss. 😉 Unaufhörlich quatschte ich auf Shriman ein: ich wusste  es doch, habe es dir doch gesagt, aber nein der nepalesische Starrkopf wusste es wieder mal besser. Shriman knurrte nur, ja ja….

Jetzt hieß es sich von einigen Dingen zu verabschieden. Nur was? In weißer Voraussicht hatte ich einen Rucksack mit um Dinge wieder mitzunehmen. Raus flog: die Flasche Wein die für die Anti und den Onkel gedacht war, 2 Tüten Cappuccino den Shriman gern trinkt, ein kleiner Bürohelfer für unser Büro in Kathmandu und paar Kindersachen nebst Nascherei. Bei meiner Kartoffelpresse habe ich gestreikt, die sollte unbedingt mit auf die Reise.

Ich konnte mir nicht verkneifen immer wieder vor mich her zu brummen: ich wusste es doch, jetzt trabe ich mit einem vollen Rucksack und einem großen Plastikbeutel von Nanu Nana wieder heim. Wie das aussieht! 😉 Während Shriman Sachen die er nicht mitnehmen wollte immer wieder raus schmiss, knallte ich das Zeug in seine andere Tasche wieder rein und versuchte die Dinge raus zu nehmen die ich in Nepal nicht haben wollte. Ein lustiges hin und her mit viel herum Gemecker  unsererseits, während Tausende Flugwillige an und vorbei zogen. Wieder ging es zum Check in. Jetzt waren es 29,5 Kilo. Ich wirklich angesäuert meinte: da kann ich ja noch was rein tun? Worauf die Dame spitz meinte: aber natürlich.

Shriman dem die Sache schon peinlich war sagte lass doch. Da aber auch ich sehr stur sein kann zog ich aus dem Nanu Nana Beutel wieder 2 kleine Pullover raus und knallte sie in die Tasche bis es exakt 30 Kilo waren.

Wir beide haben uns dann auch wieder mitgekriegt und mussten über uns selber lachen. Wie meinte Shriman so schön? 2 Idioten am Flughafen 🙂

Shriman zog Richtung Eingang und ich winkte das wie vielte mal eigentlich? Hinterher. So gern wäre ich mit geflogen. Aber ich musste warten 3 Stunden bis mein Bus wieder zurück fuhr. Nebenbei die Busgesellschaft Mein Fernbus ist ne super Sache. Für wenig Geld bringt sie einen die weite Strecke (5 Stunden) wieder zurück. Während andere Fahrgäste mit Koffern und Reisetaschen an der Haltestelle standen stieg ich mit einem Rucksack und einem prall gefüllten Plastikbeutel von nanu Nana an Bord und fing mir einige komische Blicke ein.

Shriman kommt übrigens Ende November zurück. In der Zwischenzeit lässt er sich von Mutti mit nepalesischem Essen abfüllen ;). Natürlich betreut er auch unsere Gruppen die nun kommen und organisiert einiges für die neue Saison. Der hat es gut 🙂

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Ein Nepalese in Deutschland abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Szenen einer Ehe

  1. julena schreibt:

    Welcher Cappuccino war das? Ich habe den von Nescafe entdeckt der ist so köstlich und mit viel Schaum. 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s