Gesichtsverlust

Nichts ist für einen Nepali schlimmer als in der Öffentlichkeit sein Gesicht zu verlieren. Deshalb sieht man auch äußerst selten laut diskutierende Menschen in Nepal. Man trifft kaum Leute die sich anschreien und Freunden oder Familie mal so richtig die Meinung geigen. Auch wenn dies ab und an angebracht wäre.

Ich musste mich sehr umstellen damals. Aber das lernt man. Fängst du an laut zu werden um zu deinem Recht zu kommen hast du schon verloren. Regelrecht abprallen tut es am Gegenüber.

Persönlich finde ich man sollte schon, wenn es angebracht ist seine Meinung sagen und auch mal meckern falls jemand quer springt. Man kann sich ja nicht alles gefallen lassen. Nebenbei gesagt: ich bin ein Hitzkopf und halte selten über den Berg wenn mir was nicht passt. So auch bei Shriman. Früher hatte er schon  ab und an Probleme damit und dachte nur weil ich mal meckere will ich für den Rest seines Lebens nichts mehr von ihm wissen. Mit der Zeit hat er gelernt mit meinen Macken umzugehen und „schreit“ dann auch schon mal zurück, wenn ich es seiner Meinung nach, übertrieben habe. Richtig so 😉

Ist jedoch irgendwas nepalesisches mit involviert hält sich Shriman nach wie vor zurück. Zum Beispiel: ein Gesprächspartner sagt was, oder macht ein Vorschlag der nicht passt, wird nicht Nein gesagt. Nein wieso denn auch? Man könnte ja sein Gesicht verlieren. Wie ein kleiner Kreisel versucht man sich aus der Affäre zu reden und meint: vielleicht, ich überlege mal, oder gar ja ja. Was auch in Nepal bedeutet: Du kannst mich mal, ich mache das nicht. Nur halt nett verpackt. Geht gar nicht, finde ich.

Jetzt haben wir gerade so eine Situation. Ein ferner Bekannter von uns, Nepalese, hat auch eine Trekkingagentur, die jedoch nicht läuft. Von anderen weiss ich auch, er setzt alles daran irgendwie ins Ausland ( in dem Fall Deutschland) zu kommen. Frau und Kind die er hat möchte er schon ganz gern dort lassen. Das Leben scheint ja einfacher, ohne Anhängsel…..(Ironie)

Gestern lief dieser Typ Shriman über den Weg: Folgendes Gespräch entwickelte sich:

Shriman mit freundlichen Gesicht, obwohl er ihn gar nicht mag: Ja Hallo, schön dich mal wieder zu sehen. Was machst du so? (ich hätte versucht mich gekonnt an ihm vorbei zu schlängeln um einem Gespräch zu entgehen.) 🙂

Er: Ja Namaste alles Bestens, mir geht es ja so gut. ( Dabei weiss ich von einem anderen Bekannten von dem der Gesprächspartner Shrimans nicht weiß das ich ihn kenne, es geht ihm gar nicht gut) Um mal klar zu stellen; das finde ich nicht toll, aber ich bin der Meinung er selbst hat sich in solch eine Situation gebracht. Meines Erachtens versucht er ohne sich den A….aufzureißen zu Geld und Vermögen zu kommen. Das mal nebenbei.

Weiter im Gespräch.

Er: was macht deine Frau (ich)? Ist sie nicht in Nepal? Wie geht es ihr? Ich vermisse sie. (Keine Ahnung warum er mich vermisst? So nett war ich eigentlich nie zu ihm)

Shriman: Ja ihr geht es super, mir auch. Alles Bestens.

Er: hast du viele Gruppen diese Saison?

Shriman: Ja ganz viele. (Hierbei muss ich sagen, zu 70% aller Nepali die in der Tourismus Branche arbeiten, bekommst du in diesem Moment die Taschen voll gehauen. Sagen sie ich habe 5 Gruppen, kann man getrost 2 bis 3 in Gedanken abziehen. 😉

Er: das ist gut, meine Agentur läuft auch Bestens. Aber sag mal, wollen wir nicht zusammen als Partner arbeiten? (Hier machte es mit Sicherheit kling, kling bei Shriman, denn da wird auch er hellhörig).

Shriman: äh, mhh, naja…..da müsste ich erst mit meiner Frau reden. (Und hier kommt was ich meine: Shriman würde nie sagen, nö du will ich nicht. Hier kommt der Moment wo er mich, den Pit Bull, vors Loch schiebt. Der Schlingel.

Er: naja ich sehe sie ja ab und an online (bei FB), da frage ich sie mal, was sie meint.

Shriman: ja tu das. Schönen Tag noch.

Er: ja du auch.

Heute, Shriman und ich skypten und Shriman gab mir folgende Instruktionen. (grinsen meinerseits)

Sollte er dich fragen musst du ihm folgendes antworten. Jetzt kam der Moment wo ich Shriman, wie so oft, ins Wort fiel. Ja ja, ich sag ihm schon das wir das nicht wollen. A) weil wir das alleine schaffen und B) naja, weil wir nicht wollen.

Shriman ganz entsetzt; NEIN: Du musst sagen das du es dir überlegst. Das bedeutet bei uns: Nein nicht bevor die Hölle gefriert.

Ich musste nur noch grinsen.

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8 Antworten zu Gesichtsverlust

  1. Khai schreibt:

    Hehehe tolle Anekdote! Erinnert mich an so einige Situationen…. Schön, dass Dir das manchmal auch so ergeht 🙂 Es gibt Tage in Nepal, an denen ich glaube, dass ich der Einzige bin, der mal „Nein“ sagt 😀

  2. antje schreibt:

    das kenne ich auch, es ist nervig, wenn immer um den heißen brei herumgeredet wird! eine nachbarin lacht jedesmal, wenn ich „nein“ sage, ohne drumherum zu reden. anfangs wunderte ich mich, warum sie denn immer lacht, wenn ich was sage. bis der groschen fiel, die kennen das nicht, daß man klare antworten gibt…. meine schwägerin entschuldigt sich jedesmal, wenn sie etwas wissen und fragen möchte! ja, die codes anderer länder sind nicht einfach 😉 liebe grüße

    • 1basundhara schreibt:

      Ja Antje, es kann schon nerven. Und bist Du, wie ich, ein kleiner Hitzkopf brauchst Du lange um das zu akzeptieren. Oder eher vielleicht zu verstehen. Es kann schon besser sein ab und an das „Gehirn auszuschalten“ 😉

  3. Myriade schreibt:

    Hi, Hi, ja , die Codes anderer Kulturen muss man kennen, dann läuft alles gut !

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