Der lange Weg nach Kathmandu

Endlich, nachdem ich dienstags noch bis abends gearbeitet hatte, sollte es nun endlich am Mittwoch losgehen. Nepal wartete. Noch ein Tag und paar Stunden sollten uns trennen.

Noch vor dem ersten Hahnschrei wurf mich das penetrante Klingeln meines Weckers aus dem Bett. Aber heute sollte alles anders sein. Nichts mit auf Arbeit gehen und solche Scherze. Fliegen war angesagt. Ich genoss die erste Stunde noch einmal für mich allein und lies Shriman noch schlummern.

Teufel noch mal, jetzt musste er aber raus aus dem Bett, denn der Nachbar wollte uns zum Bahnhof fahren, wo ein Bus uns nach Berlin bringen sollte. Ganze fünf Mal musste ich, mit freudig erregter Stimme, Shriman ins Ohr pusten……wir fliegen jetzt nach Kathmandu. Nichts regte sich. Erst nach fünf Fehlversuchen, wobei der letzte schon eher ein leicht hysterischer Schrei war, bewegte er sich endlich mal Richtung Bad. Normale Menschen hätten es gerade mal geschafft Zähne zu putzen und sich anzuziehen. Shriman schaffte noch eine Dusche.

Während ich hibbelig hin und her hüpfte und zum 123 mal nachsah ob Ticket, Pässe und Kohle auch wirklich im Gepäck waren, kam er ganz in Ruhe (die Nepalesen nennen es : Ke kharne) zum vereinbarten Treffpunkt: der Wohnungstür. Weiter sage ich jetzt nichts dazu.

Unsere 4 Koffer, 2 mal Propper volles Handgepäck und die zwei Laptop Taschen standen schon vor der Tür. Ich war fertig, im wahrsten Sinne des Wortes, nur Shriman schien das alles irgendwie nichts anzugehen.

Im Auto des Nachbarn, auf der Fahrt zum Bahnhof, merkte ich es: beim wiederholten Male Pass, Kohle und Ticket kontrollieren (erwähnte ich schon das ich einen notorischen Überprüfungszwang habe): die Haarbürste, ich hatte sie vergessen. Also doch, irgendwas bleibt immer liegen. Nun gut dies ließ sich verkraften.

Pünktlich waren wir in Berlin und verfrachteten am Busbahnhof unseren Haufen Gepäck in ein Taxi und kamen dort glücklich an. 3 Stunden mussten wir noch warten bis das Check in losging. Es hatte sich am Counter von Türkish Airline schien eine Schlange gebildet in die wir uns einreihten. Hektisches Gemurmel vorn am Counter von den Angestellten ließen mir irgendwie die Kehle zuschnüren und mir schwante schon etwas. In Punkto Kathmandu Flüge hat Türkish Airline in Insider Kreisen keinen guten Ruf. Die Airline ist ok, aber an Pünktlichkeit hapert es mächtig, was die Kathmandu Flüge betrifft. Als eine der wenigen starten und landen sie in den frühen Morgenstunden, wo oft Nebel ist und so die Flüge oft zu spät fliegen und somit oftmals auch Anschluss Flüge verpasst werden. Da bei uns der Preis eine Rolle spielt und sie mit Abstand im Moment die günstigsten sind, haben wir trotz solcher Erfahrungen zugeschlagen. Aber in Berlin ging es vorerst um den Flug nach Istanbul. Was war los?

Nach paar Minuten, man hatte sich Zeit genommen und uns endlich informiert, gab man bekannt das Istanbul einen gewaltigen Schneesturm getroffen hat und die Maschine nach Berlin die mit uns wieder nach Istanbul zurück sollte, noch gar nicht gestartet war. Was hieß mindestens 4 Stunden Verspätung und der Anschluss nach Kathmandu wäre unweigerlich weg. Ich überlegte schon wie sie uns dann wohl umbuchen werden.

Es hieß wir sollen erst mal warten. Es dauerte nicht lange und wir erfuhren: Istanbul Airport ist gesperrt. Keine Flüge können mehr kommen und gehen. Achso und nun? Bitte gehen sie zu unserem Counter am Gate A, dort bekommen sie ihre Umbuchungen, oder erfahren wie es weiter geht. Mit uns liefen schnurstracks eine Ladung Passagiere Richtung Gate A. Unser zahlreiches Gepäck hinderte uns daran etwas schneller als andere zu sein und so standen wir dann weit hinten. Insgesamt ganze 7 Stunden standen wir und rückten nur Zentimeter weise vor. Mitarbeiter von Türkish Airlines bemühten sich nur Anfangs die Reihen entlang zu gehen und gaben spärliche Informationen. Was sollten Sie auch sagen. Dann hieß es, man soll doch die Umbuchungen bei dem Reisebüro, oder Internetseite ändern, wo man den Flug gebucht hat. Pustekuchen, wir ließen uns nicht darauf ein, denn was sollen die denn machen. Es war offensichtlich das man dachte man wird dabei „einige los“. Ich rief, während ich mich jedoch nicht von der Stelle rührte bei Opodo, wo wir gebucht hatten, an. Nein, nein dafür ist die Airline zuständig. Typisch einer wimmelt es an den anderen ab.

Dann hieß es, man könne erst ab Freitag fliegen. Klasse, unsere Gäste kommen 2 Tage später und wir hatten noch einiges zu tun. Wir wollten unbedingt noch los. Türkish Airlines ist in der Star Allianz, da hängt Air India und Qatar Air mit drin und beide fliegen Kathmandu an und ich wusste es gehen noch Flüge an diesem Tag dahin. Auch Etihad fliegt ab Berlin. So hatte ich den leisen Hauch einer Hoffnung.

Hunger und Durst machte sich breit, auch bei allen anderen in der Reihe. Langsam kam auch Stimmung auf. Ein paar Mitarbeiter versuchten uns mit Saft und Wasser, was sie austeilten zur Ruhe zu bringen. Es ging so gar nicht vorwärts. Dann hieß es auch noch der Flughafen hätte einen Internet Ausfall. Klar na, glaube ich auf der Stelle. In hoch vernetzten Zeiten kein Internet, theoretisch dürfte doch dann gar nichts fliegen. Die Leute beim Radar haben doch auch Internet?

Ein paar Leute hinter uns stand ein junger Mann, der nepalesisch aussah. Ich animierte Shriman ihn doch mal an zureden. Der ansonsten so kontaktfreudige, lehnte ab. Ich lass natürlich nicht locker und schupste ihn sanft in Richtung des Mannes. Und siehe da, ich hatte einen richtigen Riecher, er war Nepali. Die Beiden plauderten munter und wir holten ihn zu uns vor.

Im Laufe des Gespräches erzählte er uns das am nächsten Tag sein Visum ausläuft und er nicht weiß was er machen soll, wenn er den nächsten Tag auch nicht fliegen kann. Im Stillen bekam ich ein Lachkrampf: was denkt er sich, morgen auch nicht fliegen. Ja wo leben wir denn? Da wusste ich aber noch nicht das ich 2 Stunden später mit ihm bei der Bundespolizei stand um ihm zu helfen eine Verlängerung seines Visa zu bekommen.

6 Stunden waren vergangen und langsam sahen wir unsere Fälle schwinden am gleichen Tag noch einen Flug zu bekommen. Doch was kreuzte uns da? Ein weiterer Nepalese, der weit vor uns stand. Der sah in Shriman und dem anderen gleich seine Lands Männer und schon waren die drei in einer lustigen Plauderei verwickelt, so dass ich dachte ich wäre schon in Kathmandu. Der Typ hatte Glück, konnte am gleichen Abend noch mit Air Berlin bis Abu Dhabi und dann mit Etihad weiter nach Katmandu. Dies machte mir wieder Hoffnung, aber trotzdem plante ich schon den Notfall ein. Mit Shriman gemeinsam überlegten wir wie wir alles schaffen, wenn wir 2 Tage später kommen würden.

Jetzt sprach ich auch einen vorbei kommenden Polizisten an, wegen der Visa Sache des anderen Nepali. Der verwies uns gleich zur Bundespolizei am Flughafen und meinte „wir“ müssen uns unbedingt darum kümmern, sonst wäre er ab Freitag illegal und das hätte böse Folgen für ihn.

Ich überließ Shriman unsere Koffer Parade und stiefelte mit ihm los. Der Beamte war sehr nett und erklärte mir, dass er wenn er wirklich erst Freitag fliegt, eine Bestätigung der Airline braucht und damit noch einmal her kommt und eine Verlängerung bekommt. Ich übersetzte dem Nepali und später übersetzte Shriman ihm noch mal in Nepali, so dass er etwas beruhigt war.

Wir kamen an die Reihe: Munter plauderte ich los, dass wir unbedingt noch heute los müssen, da wir ein Unternehmen in Nepal haben und wichtige Termine anstehen. Naiv ich weiß, aber man kann es doch mal versuchen. Er versuchte den gleichen Flug für uns mit Air Berlin und Etihad…und Pech etihad war jetzt auch voll. Ich bat ihn noch wegen Qatar, Air India und anderen Airlines zu sehen, was er auch tat. Nirgends war was frei an diesem Tag, auch nicht am nächsten, den Donnerstag. Erst Freitag wieder, so dass wir erst Sonnabend ankommen würden, anstatt Donnerstag. Kein treuer Hundeblick half, es war nichts zu machen. Ich fragte ob wir wenigstens einen Flug freitags von meiner Stadt bekommen würden. Das ging dann sogar schon donnerstags. Damit wir nicht noch mal nach Berlin mussten willigte ich ein. Dieser Flug sollte auch schon donnerstags gehen, allerdings mit 1,5 Tagen Aufenthalt in Istanbul. Natürlich würden wir ein Hotel bekommen. Das klang nach Entschädigung für uns. Ich war noch nie in Istanbul und es soll sehr schön dort sein. Shriman kennt die Türkei auch nicht. Wir hätten einen ganzen Tag Zeit gehabt die Stadt zu entdecken. In Gedanken, während der Angestellte schon unsere Umbuchungen eintippte, überlegte ich schon was wir uns alles so ansehen werden.

Bis mir einfiel!!!!! Shriman ist kein Deutscher und somit Visa frei wie wir. Ich sprach den Mitarbeiter an, er klemmte sich ans Telefon und versuchte heraus zu bekommen ob da was geht. Eigentlich wäre es Problemlos, er hat eine Deutsche Aufenthaltsgenehmigung. Im Grunde ist es das auch, aber nicht einen Tag zuvor, so sagte der Mitarbeiter nach seinen Informationen. Also wieder nix. Man sah es mir wohl an.

Der gute Mann teilte uns mit: ich buche ihr Ticket auf Business bis Kathmandu, da können sie die Zeit in der Lounge in Istanbul verbringen. Ist ja auch wie Hotel, nur das man nicht raus darf.

In der Zwischenzeit war uns alles egal und wir willigten ein. Ich bin schon Business geflogen und weiß einen 7 Stunden Flug im Liegen zu verbringen und dabei Puderzucker in den Hintern geblasen zu bekommen, ohne dass man bezahlen muss, hat schon was. Also gebongt, den nahmen wir.

Ich rief einen Kumpel an, ob er uns in Berlin abholt (immerhin fast 2 Stunden Autobahn) und zurückholte. Zum Glück willigte er ein. Den anderen Nepalesen hat es dann doch erwischt, er bekam erst den Freitag Flug. Immerhin sollten wir uns dann in Istanbul wieder treffen. Ich ging mit ihm noch einmal zur Polizei und die regelten alles, so dass er erleichtert war. Er hat für die nächsten 2 Nächte ein Hotel in Berlin bekommen und wurde auch abgeholt. Wir verabredeten uns in Istanbul.

Irgendwann auf der Fahrt nach Hause, wir hatten Hunger, denn seit 10 Uhr hatten wir nichts mehr gegessen, hielten wir erst mal an eine Knappe Bude. Dabei fiel mir ein: wir haben ja gar kein Schlüssel für unsere Wohnung. (Alle abgegeben). Da schließt sich der Kreis wieder zu der Anfangs erwähnten vergessenen Haarbürste, denn der Nachbar der uns zum Bahnhof fuhr hatte auch den Schlüssel. Ein Anruf, bitte warten wir kommen zurück und holen die Haarbürste.

Schlag kaputt lagen wir in unseren Betten, doch zuvor füllten wir unsere 4 Koffer die aus Kilo Gründen noch Platz hatten auf. Jede Ecke wurde genutzt. Wir haben noch etliches an Kindersachen zu vergeben. Buisness erlaubt 40 Kg p. P. und 2 Handgepäck a 8 Kilo. Ich hatte noch einen Handgepäcks Koffer, der kam auch noch mit.

Wie war der nächste Tag?

Flogen wir mit türkish Airlines?

War Istanbul wieder Schneefrei?

Haben wir Puderzucker in den Hintern geblasen bekommen?

Haben wir den Nepali wieder getroffen?

Flogen wir überhaupt?

Fragen über Fragen.

Antworten das mal.

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Eine Antwort zu Der lange Weg nach Kathmandu

  1. antje schreibt:

    ganz schön spannend, besser als ein krimi! 🙂 ich les jetzt mal die fortsetzung.

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