Wenn der Morgen anbricht in Kathmandu

Eigentlich wollte ich über die Hochzeit schreiben, da das Internet aber heute extrem langsam ist und Bilder hoch laden sehr lange dauert, wird der Beitrag verschoben.

Das anbrechen des Tages gestaltet sich hier bei mir in Kathmandu so total anders als ich es von Deutschland gewohnt bin. Vor allem was die Geräuschkulisse betrifft. Na gut wir lassen jetzt mal außer Acht das ich in Deutschland an einer Bahnstrecke wohne. Züge rattern hier nicht vorbei, auch wenn es manchmal so klingt.

Eine ruhige schlummernde Nacht hat man, wenn man das Gebell der Straßenhunde ausklinken kann. Das kann ich mittlerweile so wie in Deutschland das Rattern der Züge. Allerdings hat so mancher Gast der bei uns übernachtet damit so seine Probleme.

Gegen 3 bis 4 Uhr kommen ab und an die Priester der Yogi Kaste bei uns im Viertel vorbei. Mit ihren Getute der Muschelhörner und Bimmel Bimmel der Glocken habe ich noch Probleme, denn dann erwache ich. Das ist normal hier, die Leute kommen ab und an und vertreiben mit ihren Klängen die Geister die hier herum schwirren. Gesehen habe ich noch keine, was aber auch daran liegen mag das Shriman mir verboten hat während dieser Zeit aus dem Fenster zu sehen, denn es schwirrt nur so von bösen Geistern hier. Die Yogis, die Guten, vertreiben jene aus den Häusern meiner Nachbarn und alle sind glücklich damit. Ein paar Stunden später, so um die Mittagszeit kommen die Yogis wieder und erwarten von den Bewohnern einen kleinen Obolus für ihre hilfreichen Dienste.

Kommen die Yogis nicht, weil es logischerweise im Moment keine Geister bei uns gibt, bricht der Morgen immer nach dem gleichen Schema an.
Gegen 6 Uhr, es ist noch dunkel, fangen die ersten Vögel an zu zwitschern. Vereinzelt sieht man Licht in den Fenstern der Nachbarn. Kommt natürlich auf Stromlage an wie hell die Fenster erleuchtet sind. Ein paar Minuten später höre ich das erste rotzen (sorry) von Nachbar A, der auf seiner Terrasse von ganz unten die Ablagerungen seiner Lunge nach draußen befördert.

Danach haben die Nachbarn B/C/D/E ihr erstes Treffen vor unserem anderen Nachbarhaus. Grund ist, hier befindet sich eine Wasserpumpe. (Die wenigsten haben eine eigene Wasserleitung im Haus). Kurz nach 6 wird jene Pumpe um die sich die Nachbarn B/C/D/E gesellen, nur die Frauen, angestellt und Wasser gefördert. Jene Nachbarn haben sich zu einer Art Kooperative zusammengeschlossen. Das Problem ist nicht die Pumpe, sondern die Mädels die ordentlich Krach machen sich gegenseitig und vielen anderen Nachbarn herum den neusten Klatsch des Tages präsentieren. Da wird auch schon Shriman ab und an sauer und plärrt aus dem Fenster: Ruhe!

Erste zarte Glöckchen Klänge kann man im Anschluss hören. Das sind keine Haustür Klingeln, die es hier nicht gibt. Hier wird gerufen, mit Handy angeklingelt, oder kräftig an das Hoftor getreten und geklopft. Jenes zartes Glockengebimmel was ich meine, sind die ersten Pujay (Gebete) die die Menschen hier zelebrieren. Das geht ganz kurz: bimmeln, Räucherkerze an machen, Blüten und Reis vor das Bild des jeweiligen verehrenden Gottes gelegt, paar Worte gemurmelt…fertsch.

Es ist mittlerweile hell, was hier sehr schnell geht, da der Äquator hier näher liegt als in Deutschland.
Jetzt höre ich leise die erste Maschine in ihrem Landeanflug zum Flughafen, wenn sie pünktlich ist, denn es handelt sich um Türkish Airline.

Das erste Zischen der Nachbarn A/B/C/D/E/F usw. der Schnellkochtöpfe mischt sich in die Klänge des Morgens. Das erste Dal Bhaat wird gekocht. Vor 10 Uhr noch isst jeder Nepalese sein Dahl Bhaat, bevor er zur Arbeit des Tages übergeht. Ich hingegen kann morgens keine Mengen Reis und Gemüse hinein stopfen. Bei mir hört man nur nach Stromlage das klicken des Toasters, oder wenn die Dose kein Saft gibt das schmatzen meiner mir um die Ecke gekauften Pagodas. (Kartoffel-Gemüse Bällchen.

Danach hört man das erste muhen des Tages. Nachbar X bringt seine 3 Kühe zur „Weide“, was ein kleiner Platz vor unserem Haus ist. Damit keine Missverständnisse entstehen, ich bin nicht aufs Dorf umgezogen, sondern lebe noch immer in der Hauptstadt.
Die ersten Verkäufer tauchen auf und rufen lauthals heraus, was sie heute anpreisen. Wieder versammeln sich Nachbarn A bis G vor den Verkäufern und ordern lautstark Gemüse und Co. Spätestens jetzt sollte man aus den Federn sein, denn ein normales schlafen ist nur möglich, wenn man einen Bärenschlaf hat.

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Eine Antwort zu Wenn der Morgen anbricht in Kathmandu

  1. antje schreibt:

    das hast du ganz wunderbar beschrieben, ich habe alles mitgehört und -gerochen 😉
    liebe grüße

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