Kali die Blutrünstige

Irgendwie kommt es mir so vor als wären meine letzten Post’s etwas negativ. Dem ist nicht so. Ich versuche nur hier klar zu stellen wie das Leben so läuft. Und zu dem gehört definitiv ein Schuss Humor, den man haben muss. An meiner Einstellung jedoch, dass Nepal ein wunderbares Land mit lieben Menschen ist, hat sich nichts geändert. Man muss die Dinge hat nehmen wie sie sind.

Aber jetzt zu Kali.

Wer ist denn das, wird sich so manch einer fragen?

Der Hinduismus hat wie bei anderen Religionen nicht nur ein Gott der verehrt wird sondern Hunderte. Und glaubt mir, kein Mensch kann da wirklich durchsehen. Ich liege sicher nicht falsch, wenn auch die hinduistischen Nepalesen so ihre Probleme mit den Erscheinungsformen ihrer Götter haben.

Kali ist eine der vier Erscheinungen der Göttin Parvati. Die wiederum die Frau Shivas, einer der Haupt Gottheiten im Hinduismus ist. Sie ist die Zerstörerin in ihrer Form als Kali. Klingt jetzt nicht so, als wäre es ehrenhaft eine Zerstörerin zu verehren. Jedoch gehört das dazu um neues, besseres zu erschaffen. So sehen es jedenfalls ihre Verehrer.

Etwa 22 km südlich von Kathmandu befindet sich der Haupttempel der Göttin Kali. Eingebettet in eine Schlucht steht Kali in ihrem Tempel und erwartet die Opferungen ihrer Anhänger. An jedem Sonnabend und Dienstag bringen die Menschen ihre Opfergaben. Und damit das mal klar ist, es handelt sich dabei nicht nur um Blumen, Reis und das übrige was oft geopfert wird, sondern Kali „verlangt“ mehr. Tieropfer. Es gab Zeiten da wurden ihr sogar Menschen geopfert, dies ist allerdings schon lange vorbei. Geopfert werden Hühner, Ziegen und auch schon mal größere Tiere. Die jedoch seltener. Der Religion nach dürfen es jedoch nur männliche, nicht kastrierte Tiere sein. Das Blut der getöteten Tiere wird auf Kali gespritzt und schon hat man seine Schuldigkeit getan und alles böse ist aus der Seele verschwunden und was wichtig ist, man hat Kali milde gestimmt. Und das ist nicht nur so in den Veden verankert, sondern dies ist wirklich so. Nackte, oder eher blutige Realität.

Wie das so abläuft? Ich fange dann mal an.

Es ist morgens 8 Uhr und ich treffe mich mit einer anderen Deutschen, die ich übrigens über meinen Blog kennen gelernt habe und die auch noch nie in Dakshinkali (so heißt der Ort) war, am Ratna Park. Von hier aus fahren die Busse in Richtung Süden. Wir sind ja keine Nepal Neulinge und wissen gleich wie wir in dem Chaos eines nepalesischen Bus Parks den richtigen Bus finden. Außenstehende, die noch nie mit Lokal Bussen gefahren sind, scheint dieses Chaos sicher unüberwindbar, aber es ist gar nicht so schwer.

Man kann durch die Reihen der dort wartenden Busse und den unzähligen Menschen gehen und jeden einzelnen fragen: ist das der Bus nach Dakshinkali? Ein jeder wird Antwort geben, oder aber helfen den richtigen Bus zu finden. Oder man stellt sich nur hin und wartet dass man angesprochen wird. Und das wird man. Jeder Bus hat nicht nur einen Fahrer sondern auch einen Kontakter. Der der Kontakt zu den willigen Fahrgästen herstellt und versucht ihn dann in „seinen“ Bus zu lotsen. Kongruenz belebt das Geschäft, denn zu den verschiedenen Orten fahren mehrere Busse. So versucht ein jeder Kontakter die Vorzüge seines Busses zu unterbreiten. Welche Vorzüge das denn nun sind, hat sich mir bis heute nicht erschlossen, denn jeder Bus sieht gleich „Verkehrssicher! Aus. J

Natürlich hatten wir Glück, wir wurden gleich angesprochen und schon saßen wir mit vielen Nepalesen die Kali alle was opfern wollten im Bus und die Fahrt konnte beginnen. Wenn ich jetzt sage dass wir 2 Stunden für 22 läppische Kilometer unterwegs waren, gebe ich kein Geheimnis preis. Das ist hier so in Nepal. Die Verkehrslage ist nicht grade eine die man günstig nennen kann und die Straßen tun ihr übriges dazu. Beim letzten Teil der Strecke ging es dann auch steil Berg auf über eine kleine Schotterpiste die den Namen Straße mit Sicherheit nicht verdient. Da wir beide schon lange Zeit in Nepal verbracht haben (sie studierte sogar ein Jahr Umweltwissenschaft in Nepal) machte uns das gar nix und die die Zeit verging im Fluge. Schließlich hatten wir beide jemand gefunden um uns über die Eigenheiten der Nepalis, die auch sie oft nerven, breit zu tratschen.

In Dakshinkali dann auch endlich mal angekommen, läuft man einen kleinen Weg, vorbei an zahlreichen Verkäufern. Wer sein Opfertier nicht bei sich hat und das haben die wenigsten, kann es auch hier gleich kaufen. Geduldig warten die kleinen Süßen Tierchen darauf einige Zeit später verspeist zu werden. Naja bissel Ironie. Tierschützer mögen mir verzeihen. Geopfert wird natürlich nicht das ganze Tier. Fleisch ist viel zu kostbar. Nachdem das Tier sein Leben lassen musste, wird Kali die Göttin mit dem Blut des Tieres berührt und somit auch besänftigt von den Spendern. Der Rest des Tieres nehmen die Menschen wieder mit.

K640_DSC_1970

Bei der guten Frau kann man alles was zum opfern nötig ist kaufen.

K640_DSC_1975

Einen kleinen Markt gibt es natürlich auch.

K640_DSC_1977

K640_DSC_1978

K640_DSC_2106

Ja und die kleinen süssen warten auf ihr Schicksal und wissen zum Glück nicht das sie nicht mehr lange zu leben haben.

K640_DSC_2107

Rings um die Schlucht, der sich weiter oben auch ein Shiva Tempel an schließt, gibt es zahlreich grün. Hier in Dakshinkali sieht man selten Frauen die allein zum Tempel gehen, was normal in Nepal ist. Hier hingegen kommt die ganze Familie. Nach der Opferung wird nicht selten von den Familien ein Picknick veranstaltet, wo dann der Rest des Tieres gegessen wird. Eigens dazu findet man unten im Tempel eine Art kleine Küche. Hier verarbeiten die Frauen das Fleisch und haben die Möglichkeit noch weitere Snacks zu zubereiten.

Natürlich wurden auch wir animiert doch zu kaufen und zu opfern, aber wir wollten nur gucken. So kamen wir dann auch nach dem Abstieg einer langen Treppe unten in der Schlucht an. Heute war Dienstag und nicht der Hauptopfertag. Dem entsprechend war es auch nicht ganz so voll wie Sonnabends.

K640_DSC_1983

Hinten sieht man den Haupttempel, wo Kali steht. Über der Brücke unter der ein im Moment angedeuteter Fluss ist, standen die Familien geduldig wartend in der Reihe. In ihren Armen sehr oft Hühner, die sie Teils als Trophäe in die Höhe hielten.

K640_DSC_1993

Viele nette Familien trafen wir dort.

K640_DSC_1994

Die ihre Opfertiere vor der Schlachtung noch liebe voll im Arm hielten. Oder…

K640_DSC_1998

uns als Trophäe entgegen streckten.

K640_DSC_2012

Im eigentlichen Tempel, vor Kali, sammeln sich die Massen.

K640_DSC_2026

K640_DSC_2028

Kurz vor Kali angekommen, steht der Schlachtmeister und nimmt die Hühner mit nach hinten. Nicht jeder soll sehen wie schnell das Tier sein Leben aushaucht. Einen kleinen Blick konnte ich dahinter werfen. Ein Mann steht barfuß in Blumenblüten und Blut und dreht gekonnt dem Huhn den Kopf um, danach Kopf ab, Huhn tot und schon bekommt der edle Spender sein Tier zurück.

K640_DSC_2023

Hinter diesem Gang schlägt die letzte Minute des Huhns.

K640_DSC_2034

Die Familien präsentieren Kali stolz ihr Opfer und ein Priester nimmt etwas Blut vom Tier, womit der Kali besänftigt.

K640_DSC_2029

Er, stolz wie Bolle, Kali besänftigt zu haben, steckte grinsend den Rest Huhn in einen Plastik Beutel und machte sich nach Hause.

K640_DSC_2000

Ein Tikka, als Zeichen, man war in einem Tempel und hat seinen Gott milde gestimmt, darf natürlich auch hier nicht fehlen. In der gesamten Tempelanlage findet man Priester und Frauen, die Tikkas und kleine Bändchen verteilen. Natürlich erwarten auch sie einen kleinen Obolus.

K640_DSC_2052

K640_DSC_2009

Die heiligen Männer, die Satis, dürfen natürlich auch hier nicht fehlen.

K640_DSC_2062

Hier kann man sehen, wie die Frauen in der eigens dazu angelegten „Küche“ die geopferten Tiere zubereiten. Damit geht es dann hinauf ins Grüne zu einem Familien Picknick.

K640_DSC_2057

Es sind auch in Nepal neue Zeiten angebrochen und vielen tun die Tiere leid, aber kali besänftigen ist schon ein wichtiger Bestandteil der hinduistischen Kultur. So spenden viele Kokosnüsse, für die eigens ein Priester am Tempel steht, der den ganzen Tag Kokosnüsse aufschlägt. Oder man spendet die normalen Opferschalen.

K640_DSC_2048

Viele Menschen aber zünden Räucherstäbchen und Kerzen an. Dies soll, auch helfend wirken.

K640_DSC_2044

K640_DSC_2051

K640_DSC_2042

Zwischendurch kommt dann auch schon mal ein Angestellter, der Blütenreste, Papier und sicher auch Plastik weg räumt.

Ich sprach anfangs auch von Ziegen. Für sie wurde ein anderes Areal zum schlachten/töten eingerichtet.

K640_DSC_2054

K640_DSC_2059

Jene Tiere und auch größere müssen hier daran glauben.

Wer jetzt denkt bei so viel Blut und Gebimmel der Tempelglocken, hat s mir den Appetit verschlagen, der täuscht sich. Natürlich kann man auch, wenn man nichts opfert, so wie wir, überall lecker essen.

K640_DSC_2078

Das war unsere Mahlzeit. Zwei mal süss, eine Art Pfannkuchen und zwei mal kräftig Pagodas, liessen wir uns schmecken.

K640_DSC_2079

es war Mittagszeit. Wir mampften unser Essen und wunderten uns über das ständig anhaltende Gebimmel. Läutende Glocken an einem Tempel ist nichts ungewohntes. Jeder der einen Tempel besucht hat läutet die Glocken, was bedeutet: he du mein Gott, ich war hier und habe dich besucht. Aber andauernd ist ungewohnt. Ein Priester, sicher der Haupt Priester des Dakshankali Tempels läutete unentwegt seine kleinen Glöckchen. Alle Menschen standen um ihn herum und keiner durfte die Anlage für diese Zeit betreten. Was das nun genau bedeuten sollte, weiss ich auch nicht. Ich nehme an der Hauptbimmler wollte Kali sagen: alles Palleti du hast schon jede Menge Opfer bekommen und hoffentlich reicht es dir. 😉

K640_DSC_2101

Natürlich ließ auch ich mir ein Tikka und einen Doro, wie man den Faden nennt. den bekommt man unter für mich unverständlichen Gemurmel um das Handgelenk gebunden.

K640_DSC_2099Keine Angst geopfert habe ich nichts. Könnte ich nie. Ich hoffe Kali möge mir das verzeihen. So fertig gebraten auf meinen Teller habe ich nichts gegen Fleisch, aber wenn es mich zuvor mit so kleinen treuen Augen ansieht. Nein das geht gar nicht.

Toll war der Tag aber trotzdem. Nicht zuletzt wegen der vielen netten und interessanten Menschen, die uns oft angesprochen hatten und die sich gern mit uns fotografieren ließen.

 

 

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Nepali Kultur, religion abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s